Jesus ist auf dem Weg zum Kreuz. Es folgten ihm eine Menge des Volkes, so wird berichtet. Viele folgten aus Sensationslust, andere wieder, hauptsächlich die begleitenden Frauen, wehklagten und bejammerten ihn. Es waren also die unterschiedlichsten Leute, die in diesem Geschehen zu finden sind, entweder als Augenzeugen oder gar als Mitwirkende bei der Verurteilung und der Kreuzigung von Jesus. Was ging in diesen Menschen vor? Sie hatten keine Ahnung, wen sie vor sich hatten. Sie verhafteten den Machthaber des Universums, sie banden den, der das Weltall in seiner Hand hielt. Man fesselte den Sohn des lebendigen Gottes. Man stieß und zerrte ihn in Wut, und er folgte ihnen in Liebe. Man stellte den vor Gericht, vor dem die Engel in Furcht und Zittern stehen. Man verurteilte den, der allein Sünden vergeben kann und richtete den, vor dessen Richterstuhl einmal alle Menschen offenbar werden müssen. Man beigte die Knie, ihn verhöhnend und verspottend, den die Engelchöre anbeten.
Gibt es eine Demut, die so groß ist wie diese Demut, diese Geduld, diese Güte, diese Liebe? Jesus hat sich nicht von uns abgewandt, er hat es ausgehalten, hat am Kreuz alle unsere Schuld auf sich genommen, und dadurch eine neue Möglichkeit der Gemeinschaft mit den Menschen geschaffen.
H.L.